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Kommentare & Beiträge


In unregelmäßigen Abständen veröffentliche ich Zeitungsbeiträge, zumeist im Tagesspiegel.
Auf dieser Seite findet sich eine kleine Auswahl der letzten Texte.


Nehmt YouTuber ernst! (Der Tagesspiegel, 23.08.2015)

"In den vergangenen zehn Jahren seit der Gründung hat sich Youtube zu einer nahezu autonomen, von der gut geölten Medienmaschinerie entkoppelten Szene entwickelt. Es waren keine „Bravo“-Starschnitte, die Sami Slimani groß gemacht haben, es war kein Radiointerview, das Y-Titty berühmt gemacht hat, die Lochis sind nicht entdeckt worden, weil sie bei „The Dome“ aufgetreten sind. In Zeiten, in denen die eigenen Großeltern auf Facebook rumhängen, haben sich die heutigen Teenager auf Youtube ein eigenes Refugium erschaffen. Sie sind also nicht darauf angewiesen, dass wir sie ernst nehmen. Wir aber sind darauf angewiesen, dass sie uns weiterhin ernst nehmen." (weiterlesen)


Wie sich das TV-Nachrichtengeschäft durch Social Media ändert. (Der Tagesspiegel, 24.07.2016)

"Der Amoklauf von München am vergangenen Freitag hat die deutschen Fernsehsender erneut in eine unübersichtliche Breaking-News-Situation geworfen und damit zum wiederholten Male in den Fokus gerückt, wie diese mit solchen Ausnahmesituationen umgehen – heute, in Zeiten von Terror und Social Media. Sie haben es gut gemacht. Das vorweg. Und dieser Satz fällt nicht leicht zu schreiben. Denn er ist, überspitzt gesagt, eine Abkehr von journalistischen Gepflogenheiten. Er ist das Eingeständnis, das heute im Zweifel der Primat des Sendens gilt, nicht mehr des Abwägens." (weiterlesen)


Die Zukunft des Feuilletons (The European, 18.10.2012)

"Es ist das Abstrahieren, das Herumspinnen, das In-Bezug-Setzen, was das Feuilleton ausmacht? Und ist es nicht auch das, was die schnellen Live-Ticker der Onlinemedien überdauert? Das Kontemplative, Nachdenkende. Und ist es nicht das, was die Zeitungen – mit ihren aus der Zeit gefallenen Produktionszeiten, den lärmenden Druckerpressen und dem Am-nächsten-Tag-gelesen-Werden – am Ende des Tages rettet? Und sollte nicht deshalb alles Feuilleton sein? Es liegt eine Chance darin. Wir müssen nur ihre Schönheit erkennen." (weiterlesen)


Der deutsche Patient (Der Tagesspiegel, 09.03.2014)

"Wer Late-Night sendet, braucht aber Mut, weder Schwarz noch Weiß zu produzieren, sich nicht in eine Format-Schublade pressen zu lassen. Wenn Jimmy Fallon am Anfang einer Episode mit der First Lady Michelle Obama über ihre Ernährungs-Agenda spricht, haut er sich nach der nächsten Werbeunterbrechung vielleicht gemeinsam mit Tom Cruise abwechselnd rohe und gekochte Eier auf den Kopf („Egg Russian Roulette“), um im nächsten Einspieler in voller Kostümierung eine dreizehnminütige Persiflage auf den US-Serienhit „Breaking Bad“ zu geben, nicht ohne dabei mit serienhistorischen Referenzen nur so um sich zu werfen („Joking Bad“). Wer da nicht aufpasst, kommt nicht mit, wird überrollt von der Fülle an Themen, Stilmitteln, Geschwindigkeiten. Die stete Angst deutscher TV-Redakteure, ihre Zuschauer mit dem eigenen Programm zu überfordern, zu erschrecken und nicht „abzuholen“ – mit konsequenter Late-Night steigt sie ins Unermessliche." (weiterlesen)